EFFRETIKON. Beide Trainer wollten das Derby unbedingt gewinnen. Dass dieses am Gründonnerstag überhaupt im Eselriet ausgetragen wurde, überraschte Spieler und Zuschauer. Punkto Terminverschiebungen gibt es allerdings in der Gruppe 5 der interregionalen Zweitliga kaum mehr Alternativen. Auf Effretikon warten bereits einige Englische Wochen. So wollte man den Match unbedingt durchziehen, obwohl aus der Sicht der Platzherren die Voraussetzungen punkto Platz und Kader keinesfalls optimal waren. Die Verletzung, die sich Effretikons-Torhüter Silvan Kamm am vergangenen Samstag in St. Gallen im Spiel gegen Brühl (4:4 Endstand) einhandelte, hat sich jetzt als Adduktoren-Muskelriss erwiesen. Kamm fehlt seinem Team für mindestens vier bis acht Wochen. Oder anders gesagt. Für ihn ist die Saison praktisch gelaufen. Nebst Kamm waren auch Aouak, Compagnino und Billeter verletzt, Gaouaoua, Amoroso und Eichenberger weilten im Militärdienst und bekamen keinen Urlaub!
Der Spitzenkampf der Gruppe 5 zwischen Küsnacht und Winterthurs U-21 wurde verschoben (wie auch Winkeln gegen Amriswil und Bazenheid gegen Rorschach). So weilte eine Delegation aus Küsnacht dem Derby in Effretikon bei, um den Gegner vom kommenden Mittwoch (Spielbeginn im Eselriet um 20 Uhr), zu beobachten. Das 1:1, das schon zur Halbzeit seinen Bestand hatte, nutzt Effretikon etwas mehr als den Gästen. Für die Mannschaft von Vito Calderone war es das vierte Remis in Folge. Calderone kann, Scheepers muss mit der Punktteilung gezwungenermassen leben. ?Wir wollen unseren 100. Einsatz in dieser Spielklasse mit einem Sieg feiern und einen grossen Schritt zum definitiven Klassenerhalt machen?. Für Effretikons-Trainer Calderone gabs den 29. Punktegewinn. 40 sind bis Ende Meisterschaft geplant. So gesehen, liegen die Effretiker im Plansoll. ?Unsere Formkurve zeigt nach oben?, verriet Willy Scheepers. Der Holländer, der Oberwinterthur in der Winterpause anstelle des zu St. Gallen abgewanderten Spielertrainer Giorgio Contini (Assistent des nun entlassenen Loose) übernahm: ?Ich denke, dass wir das Spiel über weite Strecken dominierten und mehr Chancen als die Effretiker hatten?. So gesehen, hätte seine Mannschaft ?das Derby eigentlich verdientermassen gewinnen müssen?. Zum ersten Sieg unter Scheepers hats dem Aufsteiger noch immer nicht gereicht. Ein folgenschwerer Fehler in Oberwinterthurs Hintermannschaft aber brachte die Gäste in der 27. Minute gar wieder in Rücklage. Scheepers zu jener Szene, in der die Platzherren durch Michael Zweifel in Führung gingen: ?Wir sind in der Abwehr völlig falsch gestanden. Unser Torhüter lief raus, obwohl das gar nicht nötig war. Vielmehr hätte Zürcher auf dem hinteren Pfosten sein müssen, um den gegnerischen Flankenball ?abzulaufen?. Durch diesen Fehler kamen wir wieder in Rückstand und da ist es eben für eine Mannschaft im unteren Tabellenbereich doppelt schwer, wieder aufzuholen?.
Das 1:0 war der erste Höhepunkt nach einer langen Phase des gegenseitigen Abtastens. Effretikon kam im ersten Abschnitt gut über die Flügelpositionen. Oberwinterthur versuchte es schon fast mit der Brechstande und meist nur durch die massierte Mitte. So verhaspelte sich der Aufsteiger meist in der neutralen Mittelfeldzone. Den Führungstreffer der Effretiker leitete Christoph Panzer ein. Über die rechte Seite prellte der samstags zweifache Torschütze durch, bediente an der Strafraumgrenze Alen Husic. Dessen Flanke spedierte Routinier Zweifel (inzwischen 37jährig) gekonnt in die Maschen (27.). Zweifel verfehlte das Ziel anschliessend auf eine Prizzi-Flanke mit einem spektakulären Scherenschlag nur sehr knapp. Dann hatten die Einheimischen die ganz grosse Chance, mit dem 2:0 eine Vorentscheidung herbei zu führen. Zwei Mal in Folge scheiterte Christoph Panzer, der in der zweiten Hälfte kaum mehr zu Geltung kam, an Torhüter Remo Zürcher. Statt 2:0 hiess es aber vor dem Seitenwechsel plötzlich 1:1. Im zweiten Anlauf konnte Yunus Kutlu den jüngsten Spieler auf dem Platz, FCE-Keeper Heinz Berger bezwingen. ?Meine Mannschaft hat nach dem 0:1 wieder Moral bewiesen?, lobte Willy Scheepers. ?Das Team gibt nicht auf, rackert, kämpft und auch wieder den besseren Fussball gezeigt als der Gegner?. Oberwinterhur geriet schon am vergangenen Wochenende gegen Winkeln 1:3 in Rücklage und holte am Ende noch ein 3:3 Remis. ?Wir müssen einfach einmal in einem Spiel in Führung gehen können und dann den zweiten Treffer erzielen?, hofft Scheepers, dessen Vertrag in Oberwinterthur bis Ende Saison mal befristet ist. Auf einen von Zweifel geschlagenen Freistoss behinderten sich kurz vor der Pause Mirer und Panzer selbst. Der Ball wäre kurz auf der Fünfmeterlinie beinahe an Zürcher vorbei ins Netz geschlittert.
Den Eindruck, Oberwinterthur hätte am Ende den Sieg verdient, konnte und wollte Vito Calderone so nicht unbedingt in Abrede stellen. Er bestätigte, dass die Gäste nach dem Seitenwechsel immer stärker wurden. ?Wenn man zu Hause ein Unentschieden gegen den Drittletzten erreicht, darf man keinesfalls zufrieden sein?. Effretikon habe vor allem in der zweiten Halbzeit ?zu schlecht gespielt, um den Sieg am Ende noch holen zu können?. Seine Mannschaft sei zwar gut gestartet, habe dann etwas den Faden verloren. Als Oberwinterhur Oberwasser gekriegt hätte, sei Effretikon das 1:0 gelungen. ?Wir haben das 2:0 verpasst und prompt den Ausgleich kassiert?. Mit dem 1:1 sei die eigene Sicherheit verloren gegangen. Dass Effretikon im zweiten Abschnitt jenen Fehler kopierte, den Oberwinterhur im ersten Durchgang machte, steter Versuch durch die Mitte, stellte Calderone nicht in Abrede. ?Wir haben uns vor dem Spiel die taktische Marschroute klar abgesteckt und die hiess über die Aussenbahnen, Wir konnten das nach dem Seitenwechsel nicht mehr umsetzen?. Nicht als Entschuldigung, aber als Erklärungsversuch betonte Vito Calderone, dass ?unsere Automatismen im Augenblick logischerweise schlecht funktionieren, denn wir konnten in den letzten zwei Tagen wieder nicht auf Rasen trainieren, sondern mussten uns auf dem Betonplatz des Schulhaus Eselriet abmühen, was keinesfalls förderlich auf die Spielweise ist?.
Grosse spielerische Aktionen und klare Torchancen gab es im zweiten Durchgang nicht mehr. Panzer prüfte Zürcher in der 52. Minute mit einem Distanzschuss, später zwang Husic den Oberi-Keeper zu einer Parade (54.). Effretikons gefährlichste Aktionen entsprangen Standartsituationen, wie Freistössen. Diese kann man eben auch auf Betonböden trainieren. ?Unser Ziel ist es, den Rückstand auf Inter Club Zurigo von Spiel zu Spiel zu verkleinern und am Ende auch den viertletzten Platz abtreten zu können?, verriet Willy Scheepers. Diesbezüglich hat sein Team aus Oberwinterthur einen kleinen Teilerfolg errungen. Die Stadtzürcher verloren zum vierten Mal in Folge. Oberwinterthur konnte den Rückstand auf nunmehr noch vier Punkte verringern. ?Einige Spieler habe jetzt gemerkt, dass es bei mir keine Stammplatzgarantie gibt?, bestätigte Scheepers. So sassen in Effretikon ?drei Spieler auf der Bank, die eigentlich damit rechneten, zur Einlaufelf zu gehören?. Scheepers will so den internen Konkurrenzdruck fördern. Das Rotationsprinzip soll Erfolge bringen. ?Petkovic, der zuletzt sitzen musste, hat heute auf dem Eselriet bis zu seiner Auswechslung Gas gegeben?, bestätigte Oberwinterthurs-Trainer nach Spielschluss. ?Mit der Rückkehr des gesperrten Kadir Selvi erhoffe ich mir in unserer Abwehr noch mehr Stabilität?. Oberwinterthur müsse jetzt schauen, ?gegen Bazenheid über die Runden zu kommen und dann muss das Heimspiel gegen Rorschach unter allen Umständen gewonnen werden?.
Effretikon: Berger; Prizzi, Schöni, Alini (73. André), Tsirekas; Zweifel, Ebersold, Husic, Mirer; Paglialonga (51. Espinosa), Panzer.
Oberwinterthur: Zürcher; Scherrer, Specker, Buro, Russo, Bogdanovic, Admir Radoncic (93. Vagias), Sorice; Denis Radoncic (82. Medina), Kutlu, Petkovic (89. Frei).-
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